Ostvest geht auf die Barrikaden

...Entweder werden die Kursgebühren um bis zu 18 Prozent teurer. Oder die 6500 Unterrichtsstunden der Waltroper Volkshochschule müssen kräftig ausgedünnt werden. Das sind die Folgen für die VHS-Kunden, wenn die Landesregierung in Düsseldorf wie angekündigt 2007 noch weiter den Geldhahn für die Weiterbildung im Land zudreht. Und dagegen gehen VHS und Bürgermeister auf die Bildungs-Barrikaden. -

von uwe wallkötter

Nicht nur in Waltrop. Das ganze Ostvest macht mobil, um die drohende Finanzmisere bei den Volkshochschulen in Datteln, Waltrop und Oer-Erkenschwick abzuwenden. Äußeres Zeichen dieses Schulterschlusses ist ein gemeinsamer und parteiübergreifender Brandbrief der Bürgermeister Wolfgang Werner (Datteln, parteilos), Anne Heck-Guthe (Waltrop, SPD) und Achim Menge (Oer-Erkenschwick, CDU) an die NRW-Landtagsabgeordneten.

Alle drei sehen bei der geplanten Kürzung der Weiterbildungs-Zuschüsse um 18 Prozent die Zukunft und den Bildungsauftrag der Volkshochschulen im Ostvest gefährdet.

Und die Leidtragenden sind nicht in erster Linie die Teilnehmer der Spaßkurse, die es in jeder VHS gibt. Es trifft die Menschen, die ohnehin keine hohen Kursgebühren zahlen können. Alphabetisierungskurse, berufliche Weiterbildung, Qualifizierung oder Büffeln für nachträgliche Schulabschlüsse - alles Kernaufgaben der Volkshochschulen. Und alles Kurse, die den höchsten Zuschussbedarf produzieren, weil die Gebühren bewusst gering gehalten werden.

Erschwerend kommt hinzu: Diese 18 Prozent sind nach Einschätzung der VHS-Leiter Erwin Bawulski (Datteln), Rolf-Dieter Möhle (Waltrop) und Vize Willi Alfs (Oer-Erkenschwick) nur das vorläufig letzte Glied in der Kette der Rotstift-Attacken auf den Weiterbildungsbereich. Streicht Ministerpräsident Rüttgers im kommenden Jahr den 100-Mio-Euro-Etat für Weiterbildung um 18 Mio. Euro zusammen, macht das eine Mittelkürzung seit 2002 um 38 Prozent aus. Sagen die drei von der VHS.

Auf die drei Ostvest-Städte bezogen bedeutet das: Seit 2002, in dem die Zuweisungen des Landes jeweils bei rund 150000 Euro lagen, wären die Zuschüsse bis 2007 um 55000 bis 60000 Euro gesunken - pro Stadt.

Bei einer weiteren, so drastischen Kürzung sehen die VHS-Vertreter das "Ende der Fahnenstange" erreicht. Und können trotz des Bekenntnisses ihrer Bürgermeister/in zur VHS kaum auf zusätzliches Geld aus dem Stadtsäckel hoffen. Denn eine Erhöhung der städtischen Zuschüsse - in Datteln sind das allein für 2006 rund 220000 Euro - wird der Landrat als Finanzaufsicht der völlig überschuldeten Städte nicht mitmachen.

Was bleibt, ist die Hoffnung, dass der landesweite Protest aus den Städten Erfolg hat. Die VHS-Kunden, die keine Lust auf höhere Gebühren haben, können den Druck erhöhen. In jeder der drei VHS-Geschäftsstellen gibt es Protest-Unterschriftenkarten. Adressat: der Ministerpräsident. Titel: "Bildung stöhrt nur".

28. September 2006 | Quelle: ...