IM BLICKPUNKT STREIT UM DEN BERATENDEN SPARKOMMISSAR

20.05.2006 / LOKALAUSGABE / WALTROP

IM BLICKPUNKT STREIT UM DEN BERATENDEN 
SPARKOMMISSAR 

Nach dem Eklat um die Kooperationsgespräche 
mit Castrop-Rauxel bat die Bürgermeisterin 
den Regierungspräsidenten um ein Gespräch. 
Die SPD wendet sich an in Düsseldorf, auch 
die Grünen protestieren. Doch die CDU hält 
Münsters Eingreifen für richtig

Die Bürgermeisterin bin ich


Von Norbert Jänecke
Bürgermeisterin Anne Heck-Guthe ist es 
nach dem Eklat um die Kooperationsgespräche 
mit Castrop-Rauxel wichtig, das klarzustellen: 
"Bürgermeisterin bin ich", betont sie.
 Beinahe mutet es so an, als hätte die 
Bürgermeisterin gerade über die Zeit der 
Sonnenkönige gelesen und münzt da ironisch 
jenen Leitsatz absolutistischer Herrscher 
auf sich und das kleine Waltrop um: L'Etat 
c'est moi!
 Doch nach Spott ist der Bürgermeisterin 
nicht zumute. Ihr ist es ernst. "Der Regierungspräsident 
hat Herrn Niemann zu meinem Berater bestellt 
- und nicht zu meinem Vorgesetzten", sagt 
sie. In einem Vier-Augen-Gespräch mit Regierungspräsident 
Dr. Jörg Twenhöven möchte sie daher klären, 
welche Kompetenzen ihr bleiben.
 Es sei richtig, dass die Stadt in ihren 
Rechten beschnitten sei, weil der Regierungspräsident 
ihr wegen der enormen Ver schuldung Waltrops 
einen Berater zur Seite gestellt habe, 
doch der Rheiner Ex-Bürgermeister Wilhelm 
Niemann sei eben ein Berater und nicht 
der so genannte Sparkommissar.

 Jene Provokation aber, die ihr Büroleiter 
ihr als Formulierungshilfe an die Hand 
gegeben hatte, verkneift sich Anne Heck-Guthe: 
Wenn Herr Niemann mehr sein soll, nämlich 
ein so genannter Sparkommissar, der an 
meiner Stelle bzw. an Stelle des Rates 
die Entscheidungen trifft, dann muss das 
Innenministerium dieses auch so verfügen, 
steht da. Nur zu lesen ist auch: dass der 
Berater sich mehr und mehr als Ober-Bürgermeister 
der Stadt darzustellen versuche.
 Der Bürgermeisterin ist es da wichtiger, 
diplomatisch zu bleiben. Kindische Streiterei 
ist nicht ihre Sache. So recht kann sie 
nicht erklären, warum sie die Kooperationsgespräche 
absagte. Es habe eine Weisung aus Düsseldorf 
gegeben. Eine Weisung könne es aber eigentlich 
nicht sein. Denn dazu fehle ja die rechtliche 
Grundlage. Sie habe der Bitte aber entsprochen, 
um Konfrontation zu vermeiden.
 Dennoch mache die Zusammenarbeit mit anderen 
Städten ja Sinn. Die Bürgermeister im Kreis 
seien sich da einig. Selbstverständlich 
sei Kooperation nur ein möglicher Weg, 
betont die Bürgermeisterin: "Alle Optionen 
sind nach wie vor offen".